06.Oktober 2017

Fachbeitrag im Fachmagazin Hanser Konstruktion

Kleben ist das neue Schweißen

Klebebänder für Konstrukteure Metall und Kunststoff, Holz und Glas, Metall und Holz — bei fachgerechtem Einsatz können klebetechnisch nahezu alle Werkstoffe in beliebigen Kombinationen langzeitbeständig miteinander verklebt werden. Daran haben vor allem doppelseitige Klebebänder aus Acrylatschaum einen großen Anteil. Mehr darüber erzählt uns Tim Freund von der Firma Krückemeyer.

Warum stecken Sie soviel Entwicklungsaufwand in neue Verbindungstechniken, was sind die Nachteile altbewährter Fügemethoden?

Tim Freund: Bei mechanischen Verfahren müssen häufig in die zu verbindenden Werkstücke Löcher gebohrt werden, um diese mit Schrauben oder Nieten fest miteinander verbinden zu können. Damit geht eine Schwächung des Materials einher. Zudem ermöglichen Nieten oder Schrauben lediglich eine punktförmige Kraftübertragung. Beim Kleben kann dagegen die gesamte Verbindungsfläche der Werkstücke genutzt werden.

Was ist mit den thermischen Verfahren, welche Nachteile haben sie?

Freund: Bei thermischen Verfahren, wie beispielsweise dem Schweißen, verändert der zu behandelnde Werkstoff seine Eigenschaften bei einer bestimmten Temperatur. Oftmals sind dadurch Nacharbeiten am Material nötig, die bei Klebeanwendungen wegfallen. Zudem rosten die Schweißstellen nach einiger Zeit.

Und was genau setzen Sie diesen Nachteilen entgegen?

Freund: Unsere Antwort darauf sind doppelseitige Klebebänder oder Formstanzteile mti Acrylatschaumkern. Wenn fachgerecht angewendet, entwickeln sie eine enorm starke und dauerhafte Klebkraft. Die Bänder kleben mit der richtigen Vorbereitung auf nahezu jedem Untergrund hervorragend und passen sich im konstruktiven Bereich als Allrounder jeglicher Anwendung an. Diese Klebebänder sind in der Regel witterungsbeständig und trotzen Regen, Wind und Sonne mit einer hervorragenden UV-Beständigkeit. Sie sind wasserfest, feuchtigkeitsbeständig und resistent gegen Chemikalien bei Reinigungsarbeiten.

Wie sieht die fachgerechte Anwendung denn genau aus?

Freund: In der Regel werden bei konstruktiven Verklebungen die genannten doppelseitigen Klebebänder oder Formstanzteile eingesetzt, also gestanzte oder gelaserte Klebeteile in allen möglichen Formen.n Diese können passgenau für die kundenspezifischen Anwendungen gefertigt werden. Zum fachgerechten Einsatz gehört die Reinigung der Klebeflächen, welche mit Hilfsmitteln wie Reinigungsalkohol und Tüchern bewerkstelligt werden kann. Aber Vorsicht: Fast 100 Prozent aller gescheiterten Konstruktionen mittels Klebetechnik sind auf Fehler des Anwenders zurückzuführen. Aus diesem Grund sollten Unternehmen Klebeprozesse von geschultem Fachpersonal entsprechend DIN 2304-1 überwachen zu lassen. Wir haben dafür aber eine Klebefachkraft nach DVS-EWF im Hause, die unsere Kunden dabei unterstützen kann.

Wenn also alles fachgerecht verbunden ist — welche positiven Eigenschaften haben die konstruktiv verklebten Bauteile gegenüber konventionell zusammengesetzten?

Freund: Beispielsweise ist die komplette Leichtbauweise dank der Gewichsteinsparung durch das konstruktive Verkleben erst ermöglicht worden. Zudem besteht keine Gefahr der Korrossion, wie es bei Schrauben oder Nieten der Fall ist. Außerdem sorgen die Hochleistungsklebebänder für eine Abdichtung gegen Gase und Flüssigkeiten oder dienen als Schwingungsdämpfung gegen Vibrationen. Sie können Kräfte absorbieren und vermeiden Punktbelastungen, da sich Spannungen auf die gesamte Klebe-fläche verteilen. Verformungen werden auf diese Weise verhindert und Fügeteildynamiken ausgeglichen. Nicht zuletzt besitzen die Klebebänder auch isolierende oder leitende Eigenschaften und verbessern das Erscheinungsbild der Produkte, da Niete und Schrauben gänzlich verschwinden.

Können Sie uns einige Beispielen aus der Praxis nennen, wo sich die Klebebänder bereits bewährt haben?

Freund: Diese Liste ist lang und wir bekommen täglich Anfragen mit neuen Anwendungsideen. Der Kreativität sind somit meist keine Grenzen gestzt. Nach wie vor ein Dauerbrenner sind natürlich Anwendungen in der Automobilindustrie, wie zum Beispiel die Befestigung von Fahrzeuganbauteilen. Aber auch die Leichtbauweise bei Aufbauten von Zugwaggons spielt zunehmend eine Rolle.

Dazu kommen

• die Verklebungen der Bauteile im Caravan-Bau
• die Montage der Seitenteile von Reisebussen
• die Komplettmontage beim Anhängerbau
• die Befestigung von Maschinenteile allgemein, auch schwingungsresistenter Natur
• die Montage von Glasfassaden
• die Montage von Schildern und Werbetafeln
• Generell sind Verklebungen von unterschiedlichen Werkstoffen, wie Glas, Stahl, Alumini-um, Polycarbonat PC, Acrylglas, ABS, Po-lyethylen PE, Polyporpylen PP und die Anwendung auf pulverlackierten Oberflächen möglich.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Anwender im Allgemeinen aus?

Freund: Die Firma Krückmeyer hat im Jahr 1950 als technischer Großhändler für Schleifmittel und Klebebänder angefangen. Die Anfragen wurden im Laufe der Zeit jedoch immer spezieller und die Anforderungen immer komplexer und so haben wir uns vor gut 10 Jahren zum Fertigungsbetrieb für kundenspezifische Speziallösungen im Klebe- und Schleifmittelbereich gewandelt. Als technischer Großhändler bieten wir zwar immer noch sämtliche Produkte bekannter Qualitäten aus den Bereichen Schleifmittel, Klebebänder, Klebstoffe & Arbeitsschutz an. Dank einer modular einsetzbaren Fertigung erschaffen wir aber selbst fernab der Massenartikel innovative Produkte, um individuelle Anwendungsprobleme zu lösen.

Und wenn ich mich als Konstrukteur mit einem speziellen Problem an Sie wende?

Freund: Wir können Sie bei allen Fragen hinsichtlich konstruktiver Verklebungen beraten. Kontaktieren Sie uns und gemeinsam wir finden eine geeignete Lösung für Ihre Herausforderung. Von Haus aus liefern wir konstruktive Klebebänder in der vom Kunden gewünschten Länge oder Breite. Für spezielle Anwendungen kann beispielsweise auch unsere Hausmarke ›Iguna‹ als doppelseitige Aufkleber, also selbstklebendes Formstanzteil, hergestellt werden. Dabei sind alle Formen und Geometrien möglich, die für das jeweilige Produkt oder den Prozess des Kunden in Frage kommen.b Hierzu können auch Anfasslaschen mit eingearbeitet werden.


Fachmagazin Hanser Konstruktion



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